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Trinkwasser I

Der Hetzleser Berg und das Wasser in Hetzles

Wie er richtig heißt, kann man eigentlich gar nicht sagen: In den Landkarten finden wir den „Hetzleser Berg“, bei manchen ist es der „Hetzles“ oder auch der „Hetzlas“. Seine Höhe beträgt 549 m über dem Meer bzw. etwa 200 m über der Ortschaft. Auf jeden Fall hat er eine interessante geologische Struktur, die nachfolgend vor allem hinsichtlich der Trinkwassergewinnung beschrieben wird.

 Wie’s drin ausschaut

 Die Älteren von uns dürften das noch aus ihrem Heimatkundeunterricht wissen: Lias, Dogger, Malm und dazwischen Tonschichten. Das Ganze entstand aus Ablagerungen des Jurameeres, weswegen wir dort heute zahlreiche Fossilien vorfinden. Diese Gesteine unterscheiden sich in ihrer Wasserdurchlässigkeit, weswegen an den eingelagerten Tonschichten immer wieder Wasser austritt. Zahlreiche Quellen und feuchte Wiesen kennzeichnen diese Quellhorizonte.

hetzlas

 

Wo unser Wasser bisher herkam und warum es Probleme gab

 Die Gemeinde gewann in der Vergangenheit ihr Trinkwasser ausschließlich aus fünf gefassten Quellen, die am unteren Quellhorizont entspringen.

Diese Versorgung funktionierte einwandfrei bis zu einem Engpass im Sommer 1998. Grundsätzlich ist die Schüttung der Quellen jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen. Besonders hoch ist sie naturgemäß im Frühjahr nach der Schneeschmelze, dann langsam rückläufig während der Sommermonate und dann wieder stärker einige Wochen nach den Regenfällen im Herbst. In diesem kritischen Jahr folgte auf einen niederschlagsarmen Winter ein besonders trockener Sommer. In dieser Zeit durfte das Trinkwasser nicht zur Bewässerung der Gärten oder zum Autowaschen benutzt werden.

Die Gemeinde verfügt am Hetzleser Berg über einen Vorratsbehälter zum Ausgleich für den unterschiedlichen Bedarf im Verlaufe eines Tages. Bei normaler Quellschüttung läuft ständig Quellwasser in diesen Behälter, Tag und Nacht, sodass auch bei Bedarfsspitzen ausreichend Wasser zur Verfügung steht.

Überschüssiges Wasser wird über einen Überlauf in den Schlierbach abgeleitet. Dessen Wasserführung gibt also Aufschluss über die momentane Schüttung der Quellen.

Wie man das Problem lösen wollte

In seiner Sitzung am 22. September 1998 diskutierte der Gemeinderat die Möglichkeiten zur Verbesserung der Trinkwassersituation: Zum einen die Fassung neuer Quellen, zum anderen das Bohren von Brunnen.

Am 23. Februar 1999 wurde die Ausweitung der Wasserschutzzone beschlossen.

Die Idee einer Brunnenbohrung im Bereich der Neunkirchener Straße wurde wegen der ungünstigen Neunkirchener Erfahrungen verworfen.

Als nächster Schritt wurde ein Ingenieurbüro beauftragt, die Wasserversorgung in Hetzles zu begutachten. Dort kam man zu dem Ergebnis, dass weitere Quellen erschlossen werden sollten, verbunden mit einer Vergrößerung des Wasserbehälters. In Zusammenarbeit mit dem Büro von Herrn Dr. Rheiländer und dessen geologischen Untersuchungen wurde nach weiteren Quellen gesucht.Obwohl man dabei auf wasserführende Schichten stieß, war die Schüttung viel zu gering, um für die Trinkwasserversorgung in Frage zu kommen. Daher wurde diese Alternative nicht weiter verfolgt.

Schließlich entschied man sich für den Bau einer Verbindungsleitung nach Effeltrich und somit den Anschluss an die Leithenberggruppe. In einem entsprechenden Vertrag sind die Abnahme einer bestimmten jährlichen Mindestmenge sowie die weitere Versorgung im Bedarfsfalle geregelt.

Wie sich die Wasserqualität veränderte

Das Wasser aus den Quellen hatte vormals eine hervorragende Qualität und kam ohne jegliche Nachbehandlung aus. Es wurde regelmäßig auf Bakterien untersucht, wobei es zu keinen Beanstandungen kam.

Dies änderte sich erst ab etwa 2006, wo vermehrt Koli-Bakterien nachgewiesen wurden. Ursache dürften die verschiedenen Beeinträchtigungen des Wassers auf seinem Weg von der Hochfläche bis in die Leitungen des Wasserbehälters sein.

Wie man am Aufbau des Hetzleser Bergs erkennen kann, versickert das Regen- bzw. Schmelzwasser auf der Hochfläche im Kalk der Malm-Stufe. Die  Ausbringung von Gülle bzw. Mist auf den Feldern kann die Qualität negativ beeinflussen. Dies ist deshalb in der dort ausgewiesenen Wasserschutzzone strikt untersagt.

Nach Durchdringung der Kalkschicht tritt das Wasser am oberen Quellhorizont an verschiedenen Stellen wieder an die Oberfläche, um nach einer bestimmten Fließstrecke wieder zu versickern, woraufhin es den unteren Quellhorizont erreicht und dort die gefassten Quellen der Gemeinde erreicht.

Auf diesem oberen Stück ist es allerdings den verschiedenen Umwelteinflüssen ausgesetzt, insbesondere in den durch Borkenkäferbefall verkahlten Stellen des Hetzlas. Wegen dieser Kahlschläge dürfte sich auch das Speichervermögen des Waldes insgesamt erheblich verringert haben.

Als Folge der Kahlschläge im Bereich der Quellen fehlen dann auch die schützenden Baumkronen. Am  23.07.2008 wurde im Gemeinderat beschlossen, die Quellstränge durch eine künstliche Abdeckung mit ca. 4000 Tonnen Abdeckmaterial aus dem Schotterwerk  Obermdorf zu schützen.

Am 18.05.2010 informierte das Ingenieurbüro Dürrschmidt den Gemeinderat über die derzeitige Wassersituation in Hetzles. Zusätzlich wurden verschiedene Vorschläge zur weiteren Vorgehensweise gemacht.

Die Situation im Januar 2010

Der Wasserbedarf in Hetzles beträgt z.Zt. 200 m³ / Tag.

Zukünftig wird ein täglicher Bedarf von 220 m³  bis 400 m³ in der Spitze erwartet. Die Neubaugebiete wollen versorgt sein!

Eine Bemerkung am Rande: Der Vorschlag von unserem ehemaligen Gemeinderatsmitglied Gerhard Krahl, den Bau von Zisternen durch eine kleine Anerkennungsprämie der Gemeinde zu fördern, wurde u.a.  mit der Begründung zurückgewiesen, man wolle sich das Geschäft mit dem Verkauf von Trinkwasser doch nicht selbst verderben.

Die Quellschüttung liegt je nach Jahreszeit und vorausgegangener Niederschlagsmenge zwischen 2,5 und 10 Liter pro Sekunde, hochgerechnet sind das pro Tag 216 bzw. 864 m³.

Der Hochbehälter hat ein Fassungsvermögen von 300 m³ und sorgt für einen Ausgleich auf Grund der unterschiedlichen Anforderungen im Tagesverlauf. Er darf jedoch nicht vollständig entleert werden, sondern es muss eine Mindestmenge für die Feuerwehr vorgehalten werden, um im Brandfall über genügend Löschwasser zumindest in der Anfangsphase zu verfügen.

Das Wasser stammt aus fünf Quellen am Hetzles, deren Wasser im Hochbehälter zusammenläuft und sich vermischt.

Das Grundproblem der fünf Quellen sind die kurzen Fließzeiten von der Oberfläche und durch die Gesteinsschichten. Wünschenswert wäre eine Fließzeit von etwa fünf Wochen!

Seit einigen Jahren ist es nun notwendig, das ehemals saubere Quellwasser zu behandeln, da im Wasser mikrobiologische Verunreinigungen (Koli-Keime) nachgewiesen wurden. Das Wasser muss auf Anordnung des Gesundheitsamtes desinfiziert werden.

Das geschieht auf chemischem Wege durch eine Chlorzugabe seitens der gemeindlichen Arbeiter, ein Zustand, der als Provisorium angesehen werden muss.

In der Vergangenheit kommt es nun immer wieder zu Klagen aus der Bevölkerung über eine zu hohe Chlorbelastung des Wassers, die vor allem als Geruchsbelästigung wahrgenommen wird. Bei empfindlichen Personen und Kleinkindern kommt es zudem zu Hautirritationen.

Wie es weitergehen soll

Neben der chemischen Behandlung des Wassers durch eine Chlorbleichanlage gibt es aufwändigere, physikalische Methoden:

- die  UV-Bestrahlung

- das  Mikrofiltrationsverfahren

Wenn man vom Chlor weg will, dann empfiehlt uns das Ingenieurbüro eine Mikrofiltrationsanlage.

Technisch bedeutet das die Erweiterung des Hochbehälters um eine weitere Kammer von 200 m³ auf dann insgesamt 500 m³. In dieser weiteren Kammer kann die Mikrofiltrationsanlage untergebracht werden. Dieses ist die teuerste, aber auch die sicherste Lösung.

Die Methode der UV-Bestrahlung des Wassers scheidet aus wegen des zu hohen Trübungswertes des Hetzleser Wassers.

Insgesamt werden auf die Gemeinde erhebliche Kosten zukommen. Man rechnet mit weit über 300.000 €! Diese Kosten können auf die Hetzleser Haushalte umgelegt werden, über einmalige Beiträge und bzw. oder über eine Erhöhung des Wasserpreises, der übrigens jetzt schon sehr hoch ist.

Dies war der Stand der Dinge Anfang Mai 2011.

Auch auf der Bürgerversammlung am 3. Mai 2011 ging es vorwiegend um dieses Thema. Die Erlanger Nachrichten berichten am 23. Mai 2011 ausführlich darüber. Aber auch hier: Viele Möglichkeiten der Sanierung, hohe Kosten, jeoch keine Entscheidung. Man will weiterhin abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Als ob die bekannten Tatsachen nicht schon genug wären.